Tim Kleyersburg

Tim Kleyersburg

Geschäftsführer bei cäsar gustav · 12.03.2026

Website für Apotheken: Was eure Seite können muss (und was ihr weglassen könnt)

Ich schaue mir regelmäßig Apotheken-Websites an. Beruflich, aber auch aus Neugier. Und bei mindestens der Hälfte denke ich: Das war mal modern. 2018 vielleicht. Großer Slider oben, Stock-Foto von einer lächelnden Frau im weißen Kittel, darunter "Herzlich willkommen in Ihrer Apotheke". Drei Klicks bis zu den Öffnungszeiten. Auf dem Handy unbenutzbar.

Wenn ihr gerade darüber nachdenkt, eure Apotheke Website erstellen zu lassen oder die bestehende Seite zu überarbeiten: Dieser Artikel soll euch helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ohne Agentur-Sprech, ohne Technik-Kauderwelsch.

Was eine Apotheken-Website 2026 leisten muss

Fangen wir damit an, was eure Besucher:innen tatsächlich suchen. Wir haben das über die letzten Jahre bei mehr als 30 Apotheken-Websites ausgewertet. Die häufigsten Gründe, warum jemand auf einer Apothekenwebsite landet:

  • Öffnungszeiten prüfen (mit Abstand der häufigste Grund)
  • Telefonnummer finden
  • Leistungen nachschauen (Impfungen, Botendienst, Vorbestellung)
  • Anfahrt klären
  • Teamvorstellung anschauen

Das war's. Kein Mensch geht auf eure Website, um einen "Herzlich willkommen"-Text zu lesen. Kein Mensch sucht dort nach eurer Unternehmensphilosophie.

Das heißt: Eure Website muss genau diese fünf Dinge sofort liefern. Sofort heißt: ohne Scrollen, ohne Klicken, ohne Suchen. Öffnungszeiten und Telefonnummer auf den ersten Blick. Alles andere ist Bonus.

Mobile first: Die meisten eurer Besucher kommen mit dem Handy

Das ist keine Übertreibung. Bei den Apotheken-Websites, die wir betreuen, liegt der Mobile-Anteil regelmäßig über 70 Prozent. Manche erreichen über 80.

Was heißt das in der Praxis? Eure Website muss auf einem Smartphone gut funktionieren. Nicht "irgendwie lesbar", sondern gut. Die Telefonnummer muss antippbar sein. Die Öffnungszeiten müssen ohne horizontales Scrollen lesbar sein. Die Schrift muss groß genug sein, dass man sie im Bus lesen kann.

Testet eure aktuelle Website jetzt mal auf eurem eigenen Handy. Ernsthaft, macht das. Öffnet sie und versucht, innerhalb von fünf Sekunden die Öffnungszeiten zu finden. Wenn das nicht klappt, habt ihr ein Problem, das euch täglich Kontakte kostet.

Ich sage bewusst "mobile first" und nicht "responsiv". Responsiv heißt: Die Desktop-Seite wird irgendwie aufs Handy gequetscht. Mobile first heißt: Ihr denkt zuerst an das Handy und baut dann die Desktop-Version drumherum. Das Ergebnis sieht völlig anders aus.

Was auf dem Handy am nervigsten ist: Pop-ups, die den ganzen Bildschirm blockieren. Cookie-Banner, die man nicht wegklicken kann. Menüs, die auf Touch nicht reagieren. Und Formulare, bei denen man in winzige Felder tippen muss. Wenn eure Website eins davon hat, werden Besucher:innen abspringen, bevor sie die Öffnungszeiten gefunden haben.

Die Leistungsseite: pDL, Impfen, Botendienst

Seit der Apothekenreform und den pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) haben viele Apotheken neue Angebote, die nirgendwo auf der Website stehen. Das ist verschenktes Potenzial.

Eure Leistungsseite muss drei Fragen beantworten. Für jede einzelne Leistung:

  • Was ist das? (In einem Satz, ohne Fachwörter)
  • Für wen ist das sinnvoll?
  • Wie komme ich dran? (Termin, Anruf, einfach vorbeikommen)

Ein Beispiel. Statt: "Wir bieten pharmazeutische Dienstleistungen gemäß §129 SGB V an, darunter Medikationsanalyse Typ 2a und erweiterte Medikationsberatung."

Besser: "Ihr nehmt mehrere Medikamente? Wir schauen uns gemeinsam an, ob alles gut zusammenpasst, und erklären verständlich, worauf ihr achten solltet. Sprecht uns einfach an oder ruft kurz an."

Der erste Text ist fachlich korrekt. Der zweite wird gelesen.

Welche Leistungen auf die Seite gehören, hängt von eurer Apotheke ab. Aber bei fast allen, die wir betreuen, sind das:

  • Impfungen (Grippe, COVID, RSV, je nach Angebot)
  • Medikationsberatung
  • Botendienst
  • Vorbestellung
  • Blutdruckmessung oder andere Präventionsangebote
  • Verleih von Geräten (Milchpumpen, Inhalatoren)

Jede Leistung braucht einen klaren nächsten Schritt. Telefonnummer, Terminbuchung oder "Sprecht uns beim nächsten Besuch an." Ohne das ist die Information eine Sackgasse.

Vorbestellfunktion und Terminbuchung, lohnt sich das?

Kommt drauf an.

Eine Vorbestellfunktion lohnt sich, wenn euer Team den Workflow dahinter auch tatsächlich abarbeitet. Wir sehen regelmäßig Apotheken mit Vorbestellformularen, die niemand checkt. Das ist schlimmer als gar keine Vorbestellung, weil enttäuschte Kund:innen nicht wiederkommen.

Wenn ihr eine Vorbestellung anbietet, muss der Ablauf klar sein: Wie lange dauert es, bis das Medikament bereitliegt? Bekomme ich eine Bestätigung? Muss ich trotzdem anrufen? Das gehört auf die Website, direkt neben das Formular.

Terminbuchung ist sinnvoll für pDL-Leistungen, die Zeit brauchen. Medikationsberatung, Impftermine, Inhalationsschulung. Weniger sinnvoll für alles, was spontan am HV passiert. Ein einfaches Tool wie Doctolib oder eine simple E-Mail-Anfrage reicht meistens. Ihr braucht keine teure Praxissoftware-Integration.

Mein Rat: Fangt mit einer Vorbestellmöglichkeit an und schaut, ob sie genutzt wird. Terminbuchung kommt dazu, sobald ihr Leistungen habt, die einen festen Termin brauchen.

Was ihr weglassen könnt

Ich bin ein Fan von Weglassen. Jedes Element, das keinem klaren Zweck dient, lenkt ab. Hier die Sachen, die wir bei fast jedem Website-Projekt für Apotheken rauswerfen:

Fangen wir mit Slidern und Karussells an. Die klickt niemand. Das ist seit über zehn Jahren bekannt, trotzdem hat gefühlt jede zweite Apotheken-Website noch einen. Weg damit. Ein klares Hero-Bild oder direkt die wichtigsten Infos.

Dann Stock-Fotos. Lächelnde Models in weißen Kitteln, die nicht euer Team sind. Jeder erkennt das sofort. Lieber ein Handyfoto von eurem echten Team, auch wenn es nicht perfekt ausgeleuchtet ist.

Die "Herzlich willkommen"-Texte liest niemand. Wirklich niemand. Ersetzt sie durch Öffnungszeiten, Telefonnummer und eine kurze Übersicht eurer Leistungen.

Und dann gibt es noch Apotheken-Websites mit 20 Unterseiten für Inhalte, die auf zwei passen würden. Jede unnötige Unterseite ist ein Klick mehr zwischen euren Besucher:innen und der Information, die sie suchen. Ähnliches gilt für News-Bereiche, die nie aktualisiert werden. Ein News-Bereich mit dem letzten Eintrag von 2023 signalisiert euren Besucher:innen nur: Hier passiert nichts. Entweder ihr pflegt ihn regelmäßig oder ihr nehmt ihn raus.

Muss es WordPress sein?

Die meisten Apotheken-Websites laufen auf WordPress. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht die einzige Option.

WordPress funktioniert, wenn ihr jemanden habt, der sich um Updates und Sicherheit kümmert. WordPress-Seiten, die nicht regelmäßig aktualisiert werden, sind ein Sicherheitsrisiko. Kein theoretisches: Wir haben schon Apotheken-Websites gesehen, die gehackt wurden, weil ein Plugin seit zwei Jahren kein Update bekommen hat.

Es gibt durchaus Alternativen, die für Apotheken funktionieren.

Baukastensysteme wie Jimdo oder Squarespace sind weniger flexibel, aber wartungsarm und sicher. Für eine Apotheke, die eine saubere Visitenkarte im Netz braucht, reicht das oft.

Manche lassen sich eine statische Seite von einer Agentur bauen und pflegen. Keine Angriffsfläche, schnelle Ladezeiten, aber ihr könnt nichts selbst ändern.

Dann gibt es spezialisierte Apotheken-CMS-Anbieter, die fertige Website-Pakete anbieten. Alles vorkonfiguriert, dafür seht ihr aus wie jede andere Apotheke, die denselben Anbieter nutzt. Und ihr seid an den Anbieter gebunden.

Meine ehrliche Einschätzung: Das CMS ist weniger wichtig als die Inhalte. Eine Jimdo-Seite mit aktuellen Öffnungszeiten, echten Fotos und klaren Leistungstexten schlägt eine aufwändige WordPress-Seite, auf der seit 2021 nichts passiert ist.

Was eine gute Apotheken-Website kostet

Das ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird. Und die ehrliche Antwort ist unbefriedigend: Es kommt drauf an.

Aber ich kann euch Orientierungswerte geben, basierend auf dem, was wir am Markt sehen und was wir selbst anbieten:

Eine einfache, saubere Website mit fünf bis acht Seiten (Startseite, Leistungen, Team, Kontakt, Impressum/Datenschutz) liegt je nach Anbieter zwischen 2.000 und 6.000 Euro. Darin enthalten sollte sein: responsives Design, grundlegende Suchmaschinenoptimierung (SEO), DSGVO-konforme Einrichtung und eine Einweisung, damit ihr einfache Änderungen selbst machen könnt.

Wenn ihr eine Vorbestellfunktion, Terminbuchung oder eine Anbindung an ein Warenwirtschaftssystem wollt, wird es teurer. Rechnet mit 5.000 bis 12.000 Euro, je nachdem wie komplex die Integration ist.

Dazu kommen laufende Kosten: Hosting, Domain, SSL-Zertifikat und eventuell ein Wartungsvertrag. Das liegt meistens zwischen 30 und 100 Euro im Monat.

Was ihr nicht bezahlen solltet: Lange Laufzeitverträge mit monatlichen Raten, bei denen ihr am Ende deutlich mehr zahlt als die Website wert ist. Wir sehen regelmäßig Apotheken, die in 48-Monats-Verträgen stecken und insgesamt 15.000 Euro für eine Seite zahlen, die 4.000 Euro wert ist. Fragt immer nach dem Gesamtpreis. Und lasst euch nicht erzählen, dass SEO-Pakete für 500 Euro im Monat "dazugehören". Grundlegende Suchmaschinenoptimierung sollte in der Website-Erstellung enthalten sein.

Noch ein Punkt, den viele vergessen: Wem gehört die Website am Ende? Bei manchen Anbietern mietet ihr die Seite nur. Wenn ihr kündigt, ist sie weg. Klärt vorher, ob ihr die Domain, die Inhalte und den Code behaltet.

Die günstigste Website ist übrigens die, die gepflegt wird. Eine 3.000-Euro-Website mit aktuellen Inhalten bringt euch mehr als eine 10.000-Euro-Website, an der seit der Übergabe niemand was gemacht hat.

Wo fangt ihr an, wenn ihr eine Apotheke Website erstellen wollt?

Bevor ihr eine Agentur anruft oder ein CMS auswählt, macht eine einfache Bestandsaufnahme. Geht auf eure aktuelle Website (falls vorhanden) und schaut:

  • Finde ich die Öffnungszeiten in unter fünf Sekunden?
  • Funktioniert die Seite auf dem Handy?
  • Stehen unsere aktuellen Leistungen drauf?

Dreimal Nein? Dann braucht ihr wahrscheinlich eine neue Website. Wenn nur ein Punkt fehlt, reicht vielleicht ein Relaunch oder eine gezielte Überarbeitung.

Sammelt dann eine Woche lang die Fragen, die im HV (Handverkauf) am häufigsten gestellt werden. "Habt ihr das Medikament da?", "Kann ich bei euch impfen lassen?", "Wie sind eure Öffnungszeiten am Samstag?" Was Kund:innen am Tresen fragen, suchen sie vorher bei Google. Besseren Input für eure Website-Inhalte gibt es nicht.

Wenn ihr bei der Umsetzung Hilfe braucht, meldet euch bei uns.

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