Google Business Profil für Apotheken: Was wirklich zählt (und was ihr euch sparen könnt)
Letzte Woche habe ich mir die Google Business Profile von ein paar Dutzend Apotheken in drei Großstädten angeschaut. Einfach aus Neugier. Ungefähr die Hälfte sah aus wie 2019 eingerichtet und seitdem vergessen. Alte Öffnungszeiten, kein Foto, keine Leistungen eingetragen. Die andere Hälfte hatte zumindest die Basics. Richtig gut aufgestellt? Vielleicht vier.
Dabei ist das Google Business Profil für Apotheken oft das Erste, was Kund:innen sehen, noch vor eurer Website. Wer dort "Apotheke" und einen Stadtnamen eingibt, bekommt das Profil. Nicht die Homepage.
Was das Google Business Profil für Apotheken konkret bringt
Wenn jemand "Apotheke in der Nähe" in Google oder Google Maps eingibt, entscheidet das Google Business Profil darüber, ob eure Apotheke auftaucht. Nicht eure Website. Nicht euer Instagram-Kanal. Das Profil.
Suchanfragen mit "in der Nähe" haben sich laut Google zwischen 2019 und 2024 mehr als verdoppelt. Für Apotheken ist das relevant, weil der Besuch fast immer lokal ist. Niemand fährt 30 Kilometer für Hustensaft.
Was passiert, wenn jemand "Apotheke [Stadtname]" sucht? Google zeigt das sogenannte Local Pack, drei Ergebnisse mit Karte, Öffnungszeiten, Bewertungen und einem Direktlink zum Anrufen. Wer dort auftaucht, bekommt Anrufe und Besuche. Wer nicht auftaucht, existiert für diese Suchanfrage nicht.
Übrigens: Auch wenn jemand gezielt nach eurem Apothekennamen sucht, erscheint rechts das Google Business Profil mit allen Infos. Wenn dort veraltete Öffnungszeiten stehen oder das Profil leer aussieht, macht das keinen guten Eindruck.
Die fünf Felder, die wirklich zählen
Google Business bietet gefühlt hundert Felder zum Ausfüllen. Ihr müsst nicht alle nutzen. Aber diese fünf sollten sitzen:
Name, Adresse, Telefonnummer
Klingt banal. Ist es auch. Aber wir sehen regelmäßig Apotheken, bei denen der Name im Google-Profil nicht mit dem Namen auf der Website oder dem Briefkopf übereinstimmt. "Marien-Apotheke" vs. "Marienapotheke" vs. "Marien Apotheke OHG". Google mag Konsistenz. Schreibt euren Namen überall gleich.
Die Telefonnummer sollte die sein, unter der tatsächlich jemand rangeht. Keine Faxnummer, kein Anrufbeantworter, der nie abgehört wird.
Diese drei Angaben (in der SEO-Welt "NAP" genannt, Name, Address, Phone) sollten auf eurer Website, eurem Google-Profil, bei den Apothekerkammern und in jedem Branchenverzeichnis identisch sein. Google gleicht das ab. Wenn die Hausnummer auf der Website "12a" ist und im Google-Profil "12 a" steht, kann das schon reichen, um euch gegenüber einer konsistenteren Apotheke zurückzustufen.
Öffnungszeiten
Aktuell halten. Immer. Auch an Feiertagen, auch bei Notdiensten. Google zeigt Nutzer:innen explizit "Jetzt geöffnet" oder "Geschlossen" an. Wenn jemand um 17:30 vor verschlossener Tür steht, weil im Profil "bis 18:00" steht, ihr aber seit einem halben Jahr um 17:00 schließt, das vergisst die Person nicht.
Tipp: Google Business bietet die Möglichkeit, besondere Öffnungszeiten für Feiertage im Voraus einzutragen. Macht das einmal im Januar für das ganze Jahr.
Kategorie
Eure Hauptkategorie sollte "Apotheke" sein. Das klingt offensichtlich, aber Google erlaubt auch Zusatzkategorien. Wenn ihr Verleih anbietet (Milchpumpen, Inhaliergeräte), könnt ihr das als Zusatzkategorie angeben. Wenn ihr Impfungen durchführt, ebenfalls. Jede passende Kategorie erhöht eure Chance, bei relevanten Suchen aufzutauchen.
Leistungen und Attribute
Seit der Apothekenreform und den pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) gibt es für viele Apotheken Leistungen, die nirgendwo stehen. Google Business hat einen Bereich für Dienstleistungen. Nutzt ihn. Tragt ein, was ihr anbietet: Impfungen, Medikationsberatung, Blutdruckmessung, Inhalationsberatung.
Die Beschreibung, und warum sie überbewertet wird
Ja, es gibt ein Beschreibungsfeld. Ja, ihr könnt dort 750 Zeichen Text unterbringen. Aber ehrlich: Die Beschreibung hat wenig Einfluss auf das Ranking und wird von den meisten Nutzer:innen nicht gelesen. Wir haben das bei dutzenden Apothekenprofilen beobachtet.
Wenn ihr sie ausfüllt, macht es kurz. Zwei Sätze: wer ihr seid und wie man euch erreicht. Keine SEO-Textwüste, keine Aufzählung aller Produkte.
Fotos: was funktioniert und was nicht
Apotheken mit Fotos bekommen laut Google mehr Interaktionen als solche ohne. Das ist nicht überraschend. Aber welche Fotos?
Ein Foto von außen, bei dem man die Apotheke erkennt. Eins von innen. Vielleicht eins vom Team, wenn alle einverstanden sind. Echte Bilder, mit dem Handy gemacht, bei normalem Licht. Sie müssen nicht perfekt sein. Sie müssen echt sein.
Was ihr lassen könnt: Freigestellte Produktbilder auf weißem Hintergrund. Stock-Fotos von lächelnden Models in weißen Kitteln. Bilder, die offensichtlich nicht aus eurer Apotheke stammen. Google-Nutzer:innen merken das.
Eine Apotheke, die wir betreuen, hat irgendwann fünf Handyfotos hochgeladen: Außenansicht, Beratungsecke, Sichtwahl, Freiwahl und ein Teambild vom Sommerfest. Die Profilaufrufe gingen danach spürbar hoch. Keine professionellen Fotos, keine Inszenierung. Einfach echte Bilder von einem echten Laden.
Wie viele Fotos solltet ihr haben? Mindestens drei bis fünf. Mehr schadet nicht, aber fünf gute Bilder sind besser als zwanzig mittelmäßige.
Bewertungen: wie ihr damit umgeht, ohne euch verrückt zu machen
Bewertungen sind das Thema, bei dem Apothekeninhaber:innen die meisten Fragen haben. Verständlich, denn es fühlt sich an, als hätte man keinen Einfluss darauf. Stimmt aber nicht ganz.
Ihr könnt zufriedene Kund:innen aktiv um eine Bewertung bitten. Nicht mit einem Schild an der Kasse ("Bewerten Sie uns auf Google!"), das wirkt verzweifelt. Eher im Gespräch, wenn jemand sich bedankt. "Freut uns. Wenn ihr mögt, schreibt das gern auf Google, das hilft uns." Nicht jeder macht es, aber manche schon.
Und: Antwortet auf Bewertungen. Auf alle. Die positiven mit einem kurzen Danke. Die negativen mit einer sachlichen Antwort. Nicht defensiv, nicht beleidigt, nicht mit Textbausteinen. Die Antwort liest nämlich nicht nur der Verfasser der Bewertung, sondern jeder, der danach euer Profil aufruft. Eure Antwort auf eine schlechte Bewertung sagt mehr über euch aus als zehn gute.
Was ihr bei negativen Bewertungen nicht tun solltet: Ignorieren. Löschen lassen wollen (geht nur bei Verstößen gegen Richtlinien, etwa Beleidigungen oder Fake-Bewertungen von Leuten, die nie bei euch waren). Öffentlich streiten. Die schlimmste Reaktion auf eine 1-Stern-Bewertung ist ein Kommentar mit 400 Wörtern, der die Schuld beim Kunden sucht.
Eine Antwort, die funktioniert, sieht so aus: "Danke für die Rückmeldung. Das ärgert uns, weil wir es anders wollen. Meldet euch gern direkt bei uns, damit wir das klären können." Kurz, sachlich, offen. Fertig.
Ein realistisches Ziel: Versucht, über 4,0 Sterne zu bleiben. Das reicht, um seriös zu wirken. 5,0 Sterne bei drei Bewertungen sieht weniger vertrauenswürdig aus als 4,3 Sterne bei 60 Bewertungen.
Google Posts: lohnt sich der Aufwand?
Google Business bietet die Möglichkeit, Posts zu veröffentlichen, kurze Updates mit Bild und Text, die direkt im Profil erscheinen. Die Frage, die uns Apotheken am häufigsten stellen: Bringt das was?
Meine ehrliche Antwort: Wenig. Google Posts verschwinden nach sieben Tagen aus der prominenten Anzeige. Die Klickzahlen sind meistens gering. Und der Aufwand, regelmäßig Posts zu erstellen, ist für ein Apothekenteam mit drei Leuten kaum zu rechtfertigen.
Wenn ihr trotzdem posten wollt: Nutzt es für konkrete Anlässe. Notdienst am Wochenende, eine neue pDL, geänderte Öffnungszeiten über Weihnachten. Nicht als Ersatz für Social Media, sondern als ergänzende Info direkt im Profil.
Wir haben bei einer Apotheke mal über drei Monate lang wöchentlich Google Posts erstellt. Die durchschnittliche Klickrate lag bei unter 1 Prozent der Profilaufrufe. Das heißt nicht, dass es nichts bringt, aber gemessen am Aufwand gibt es Dinge, die mehr bewegen. Wenn ihr wenig Zeit habt, investiert die lieber in aktuelle Öffnungszeiten und gute Fotos.
Typische Fehler, die wir bei Apotheken-Profilen immer wieder sehen
Manche Fehler sehen wir so oft, dass wir sie blind aufzählen können:
Das Profil wurde irgendwann angelegt, aber nie verifiziert. Dann hat Google irgendwann automatisch Daten aus anderen Quellen gezogen, und jetzt stimmen die Öffnungszeiten nicht mehr, aber niemand kann sie ändern, weil der Zugang fehlt. Wenn ihr nicht wisst, ob euer Profil verifiziert ist: Geht auf business.google.com und prüft es. Wenn ihr den Zugang verloren habt, lässt sich das wiederherstellen, dauert aber ein paar Tage.
Ein anderer Klassiker: Doppelte Profile. Irgendwer hat vor Jahren ein Profil erstellt, dann hat Google automatisch ein zweites angelegt, und jetzt gibt es zwei Einträge mit unterschiedlichen Daten. Das verwirrt Kund:innen und schadet dem Ranking. Doppelte Profile solltet ihr zusammenführen oder das falsche löschen lassen.
Dann gibt es Apotheken, die ihr Profil einmal sauber eingerichtet haben und dann nie wieder angefasst. Die Öffnungszeiten stimmen noch, aber die Leistungen sind von 2022, die Fotos zeigen die alte Einrichtung, und auf Bewertungen von vor acht Monaten hat niemand geantwortet. Ein Google Business Profil wird nie fertig. Aber 15 Minuten im Monat reichen, um es aktuell zu halten.
Und dann die Sache mit den Keywords im Apothekennamen. Manche Apotheken schreiben "Sonnen-Apotheke — Ihre Apotheke für Impfungen, Beratung und Gesundheit" in das Namensfeld. Google verbietet das ausdrücklich. Es kann dazu führen, dass euer Profil gesperrt wird. Im Namensfeld steht euer Name. Sonst nichts. Wir haben schon Apotheken gesehen, die nach so einer Sperre wochenlang nicht mehr bei Google auftauchten.
Fangt hier an
Wenn ihr euch fragt, wo ihr anfangen sollt: Loggt euch heute bei business.google.com ein. Prüft, ob eure Öffnungszeiten stimmen. Ladet ein aktuelles Foto hoch. Tragt eure Leistungen ein. Das dauert 20 Minuten und bringt mehr als jeder Social-Media-Post.
Euer Google Business Profil als Apotheke muss nicht perfekt sein. Es muss stimmen. Wenn ihr nicht sicher seid, ob euer Profil sauber aufgestellt ist, oder den Zugang verloren habt, sprecht uns an.