Chris Günter

Chris Günter

Geschäftsführer bei cäsar gustav · 07.01.2026

Pharmazeutische Dienstleistungen bewerben: 7 Wege, die in Apotheken wirklich funktionieren

Frau Müller, 64, kommt wie jeden Monat, um ihre fünf Medikamente abzuholen. Beim Bezahlen fragt sie beiläufig: "Sagen Sie, ich habe gehört, Apotheken dürfen jetzt irgendwas mit Medikamenten-Check machen?" Die PTA nickt, erklärt kurz. Frau Müller ist überrascht: "Das gibt es hier? Seit wann denn?"

Seit über einem Jahr. Aber Frau Müller wusste nichts davon. Und sie ist kein Einzelfall.

Das ist die Realität in vielen Apotheken: Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) werden angeboten, aber kaum nachgefragt. Nicht, weil kein Bedarf da ist, sondern weil niemand versteht, dass es sie gibt und was sie bringen.

Warum "bewerben" das falsche Wort ist

Bevor wir zu den sieben Wegen kommen, eine wichtige Unterscheidung: Bei pDL geht es nicht um Werbung im klassischen Sinn. Ihr müsst niemanden überreden. Ihr müsst erklären.

Der Unterschied klingt klein, ist aber entscheidend:

  • Werbung sagt: "Wir sind toll, bucht bei uns."
  • Erklären sagt: "Das gibt es, so funktioniert es, und so kommt ihr dran."

In unserer Erfahrung aus Projekten mit Apotheken in ganz Deutschland funktioniert das Zweite deutlich besser. Menschen wollen verstehen, nicht verkauft bekommen. Erst recht, wenn es um ihre Gesundheit geht.

So klingt es oft, und so sollte es klingen

Aber zuerst ein Schnelltest. Erkennt ihr eure eigene Kommunikation wieder?

Auf der Website:

So steht es oft So versteht es jeder
"Wir bieten pharmazeutische Dienstleistungen gemäß Rahmenvorgabe an." "Wir nehmen uns Zeit und schauen gemeinsam auf eure Medikamente, verständlich und ohne Zeitdruck."
"Medikationsanalyse nach Typ 2a verfügbar." "Ihr nehmt mehrere Medikamente? Wir prüfen, ob alles gut zusammenpasst."
"Informieren Sie sich über unser pDL-Angebot." "Fragt uns einfach bei eurem nächsten Besuch. Wir erklären, was für euch sinnvoll ist."

Merkt ihr das Muster? Links Fachsprache und Passivkonstruktionen. Rechts konkrete Situation, klarer Nutzen, einfache Sprache. Das ist kein Qualitätsverlust — es entscheidet nur darüber, ob der Text gelesen wird oder nicht.

Sieben Wege, die auch mit drei Leuten im Team funktionieren

Weg 1: Immer nur eine Leistung in den Fokus

Versucht nicht, alle pDL gleichzeitig zu erklären. Wählt eine pro Monat.

Ein Beispiel-Rhythmus fürs erste Quartal:

  • Januar: Medikationsberatung (hoher Nutzen, viele potenzielle Kund:innen)
  • Februar: Inhalationsberatung (saisonaler Peak, COPD/Asthma)
  • März: Blutdruck-Prävention (Frühlings-Check-up)

So bleibt ihr intern klar und nach außen verständlich. Und ihr könnt von Monat zu Monat dazulernen, welche Formulierungen gut ankommen.

Weg 2: Die Ein-Satz-Methode

Für jede pDL braucht ihr genau einen Satz, der ohne jedes Fachwort funktioniert. Diesen Satz nutzt ihr überall: Website, Google-Profil, Aushang, Gespräch.

Hier unsere Vorschläge. Passt sie an eure Apotheke an:

  • Medikationsberatung: "Wir schauen gemeinsam auf eure Medikamente und erklären verständlich, worauf ihr im Alltag achten solltet."
  • Inhalationsberatung: "Ihr seid unsicher bei der Anwendung eures Inhalators? Wir zeigen es euch in Ruhe, ohne Arzttermin."
  • Blutdruck-Prävention: "Wollt ihr euren Blutdruck langfristig im Blick behalten? Wir begleiten euch dabei mit regelmäßigen Messungen und konkreten Tipps."

Weg 3: Drei Kontaktpunkte, eine Stimme

Die häufigste Schwachstelle, die wir bei Apotheken finden: Website, Google-Profil und das Team im HV sagen unterschiedliche Dinge. Das erzeugt Unsicherheit.

Die Regel ist simpel:

  • Ein Kernsatz (siehe Weg 2)
  • Ein kurzer Ablauf (3 Schritte: Kontakt aufnehmen → Termin/Vor-Ort → Beratung)
  • Ein klarer Kontaktweg (Telefon, Termin oder "Sprecht uns einfach an")

Diese drei Elemente setzt ihr identisch ein: auf der Website, im Google-Profil und als Gesprächsvorlage fürs Team.

Weg 4: Mit Alltagssituationen statt Leistungsnamen kommunizieren

Menschen reagieren nicht auf Begriffe wie "pDL" oder "Pharmazeutische Dienstleistung". Sie reagieren auf Situationen, die sie kennen.

Statt:

  • "Informationen zur Medikationsanalyse"

Besser:

  • "Nehmt ihr fünf oder mehr Medikamente am Tag?"
  • "Seid ihr euch unsicher, ob eure Medikamente gut zusammenpassen?"
  • "Hat sich an eurer Medikation kürzlich etwas geändert?"

Das funktioniert als Website-Teaser, als Social-Post und als Gesprächseinstieg im HV. Wenn die Leser:in innerlich nickt, liest sie weiter.

Weg 5: Immer eine konkrete nächste Aktion anbieten

Jede Kommunikation ohne klaren nächsten Schritt ist eine Sackgasse. Und Sackgassen kosten euch Anfragen.

Testet euch selbst: Geht auf eure Website und sucht die pDL-Informationen. Findet ihr in unter 10 Sekunden einen Weg, diese Leistung in Anspruch zu nehmen? Wenn nicht, ist das euer erstes To-do.

Gute nächste Schritte:

  • "Sprecht uns heute bei eurem Besuch an."
  • "Ruft kurz an und wir klären, ob die Beratung für euch passt."
  • "Bucht einen Termin direkt über [Link/Telefonnummer]."

Weg 6: Das Team mit drei Standardantworten entlasten

Nicht jede PTA muss jedes Mal neu formulieren. Bereitet pro Leistung drei kurze Antworten vor, die das ganze Team nutzen kann:

Frage: "Was bringt mir das?" → "Wir schauen, ob eure Medikamente gut zusammenspielen, und erklären verständlich, worauf ihr achten könnt."

Frage: "Wie läuft das ab?" → "Ihr bringt euren Medikamentenplan mit, wir nehmen uns 20 Minuten Zeit, und ihr geht mit klaren Empfehlungen nach Hause."

Frage: "Kostet mich das was?" → "Nein, die Beratung wird von eurer Krankenkasse bezahlt. Ihr braucht nur euren Medikamentenplan."

Druckt diese Antworten aus und hängt sie ins Backoffice — so hat das ganze Team sie griffbereit.

Weg 7: 15 Minuten Nachschärfung pro Woche

Richtet eine feste Mini-Routine ein, zum Beispiel Montagmorgen vor Ladeneröffnung:

  • Welche Frage kam letzte Woche am häufigsten?
  • Wo gab es Missverständnisse?
  • Welcher Satz hat gut funktioniert?

Diese Erkenntnisse fließen direkt zurück in Website-Texte, Aushänge und Team-Skript. So wird eure Kommunikation jede Woche ein Stück besser — ganz ohne großes Projekt.

Checkliste: Kommuniziert ihr eure pDL richtig?

Druckt diese Liste aus und geht sie einmal durch. Jeder Haken, der fehlt, ist ein konkretes To-do:

  • Für jede angebotene pDL existiert ein verständlicher Nutzen-Satz (ohne Fachwörter)
  • Auf der Website sind die Leistungen mit klarem Kontaktweg erklärt
  • Das Google-Unternehmensprofil enthält die aktuellen Leistungen
  • Website und Google-Profil verwenden dieselben Formulierungen
  • Im HV gibt es Standardantworten auf die drei häufigsten Fragen
  • Es gibt einen sichtbaren Hinweis in der Apotheke (Aufsteller, Bildschirm, Plakat)
  • Mindestens einmal pro Monat wird ein neuer Inhalt veröffentlicht (Post, Update, Aushang)
  • Die häufigsten Kund:innen-Fragen sind als FAQ auf der Website beantwortet

Wenn ihr bei weniger als fünf Punkten einen Haken setzen könnt, fangt einfach oben an. Die Liste ist bewusst von oben nach unten priorisiert.

Wie lange dauert es, bis sich etwas ändert?

Nach 2–4 Wochen: Wenn eure Website und euer Google-Profil aktualisiert sind, kommen die ersten gezielteren Rückfragen. Menschen, die online nach "Medikationsberatung [eure Stadt]" suchen, finden euch.

Nach 2–3 Monaten: Die Routine greift. Euer Team wird sicherer in den Gesprächen. Kund:innen kommen informierter und fragen gezielt nach bestimmten Leistungen.

Nach 6 Monaten: Wenn ihr dranbleibt, baut ihr euch eine digitale Sichtbarkeit auf, die dauerhaft Anfragen bringt, ohne Werbebudget und ohne Social-Media-Stress.

Wir haben diesen Verlauf bei mehreren Apotheken begleitet, und es läuft immer auf zwei Dinge hinaus: verständliche Texte und Dranbleiben.

FAQ: Fragen, die uns Apothekenteams häufig stellen

Brauchen wir dafür eine neue Website?

Nicht unbedingt. Oft reicht es, die bestehende Website um eine Unterseite mit klaren Leistungstexten zu ergänzen und das Google-Profil zu aktualisieren. Wenn eure aktuelle Website allerdings veraltet ist oder auf Mobilgeräten schlecht funktioniert, kann ein Neuaufbau sinnvoll sein. Das klären wir im Gespräch.

Was, wenn unser Team dafür keine Kapazität hat?

Dann ist die 15-Minuten-Routine (Weg 7) euer Startpunkt. Und die Textarbeit (Website, Google-Profil, Gesprächsvorlagen) können wir übernehmen. Euer Team muss dann nur noch im HV die vorbereiteten Antworten nutzen.

Gibt es rechtliche Grenzen bei der Bewerbung von pDL?

Ja, das Heilmittelwerbegesetz (HWG) gilt. In der Praxis heißt das: sachlich informieren ja, Heilversprechen nein. "Wir prüfen, ob eure Medikamente gut zusammenpassen" ist völlig in Ordnung. "Mit unserer Beratung werdet ihr gesund" wäre problematisch. Im Zweifel sprechen wir das vorher mit euch durch.

Wie unterscheidet sich eure Begleitung von einer normalen Agentur?

Wir arbeiten seit 20 Jahren im Gesundheitsmarkt, mit Apotheken und mit Herstellern, die über Apotheken verkaufen. Wir kennen den HV, die Abläufe, die Sprache. Das bedeutet weniger Erklärungsaufwand für euch und ein Verständnis dafür, was im Apothekenalltag realistisch umsetzbar ist.

Fazit

Pharmazeutische Dienstleistungen bewerben heißt letztlich: Das, was ihr ohnehin gut könnt, so erklären, dass Menschen es finden und verstehen. Ihr braucht dafür kein großes Budget und keinen Social-Media-Marathon. Klare Sprache, saubere Grundlagen und die Bereitschaft, einmal im Monat draufzuschauen. Wenn ihr dabei Unterstützung wollt, meldet euch bei uns. Wir fangen dort an, wo es für euch am meisten bringt.

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